Montag, 96,3 kg

Seufz. Wollte doch im 95iger Bereich bleiben, damit mir der heutige Fastentag die 94 bringt… Das wird dann wohl nichts.

Am Freitag habe ich mir den „Brückentag“ frei genommen, das ist einerseits toll, habe ich doch eine kurze Woche und dann vier Tage frei, andererseits muss ich aufpassen, dass ich hier zu Hause nicht wieder völle! Unter der Woche, wenn ich arbeite, fällt es mir leichter, diszipliniert zu sein als an den Wochenenden, wenn man gemütlich frühstückt, schönes Essen kocht und abends den Tag mit einem Glas Wein ausklingen lässt. Wenn es denn dabei bliebe, wäre es ja auch kein Problem. Aber genau das war schon immer der Punkt: Ich kann so schlecht gemäßigt essen. Entweder ganz oder gar nicht (diese Eigenschaft leg ich übrigens nicht nur beim Essverhalten an den Tag…). Deswegen schaffe ich es auch, seit über zwei Jahren brav meine beiden Fastentage wöchentlich durchzuführen. Eigentlich passt diese Konsequenz ja eher nicht zu meiner sonstigen Disziplinlosigkeit. Mir fällt es sehr viel leichter, überhaupt nichts zu essen als kontrolliert. Da läge es ja beinahe nahe, das 5:2 – Konzept umzukehren: fünf Tage fasten, zwei Tage normal essen. Aber erstens wäre ich nicht wirklich dazu bereit und zweitens kann es doch nicht sein, dass ich nicht lernen kann, in Maßen zu essen! Andere können das doch auch!

Freitag, 95,1 kg

Es läuft. Jedenfalls so ein bisschen. Mal schauen, wie es nach dem Wochenende aussieht. Gerade jetzt ist es so schön, nach getaner Arbeit – und von der gibt es genug – abends im frühlingshaften Garten in aufgeräumter und sommerlicher Stimmung noch ein Glas Wein (oder auch zwei) zu genießen. Am besten noch mit Oliven oder ähnlichen Leckereien. Maß halten, Imcache, das ist hier das Zauberwort!

Arbeitsreich wird das Wochenende bestimmt, denn es soll ein neues Kräuterhochbeet angelegt werden; die Steine haben wir ja schon angeschleppt. Ich bin immer hin- und hergerissen, was ich am Wochenende tun möchte, denn im Moment kann man sich im Garten voll verwirklichen, was auch Spaß macht, andererseits möchte ich mal einfach nichts machen oder auch in Sachen Kultur unterwegs sein. Ich finde, das macht man viel zu wenig, dabei ist die Welt voll mit Ausstellungen, Filmen, Theateraufführungen etc. … Man muss sich immer überwinden, den Popo hochzukriegen, aber hinterher zehrt man so lange davon! Wie sagte doch Pablo Picasso:

„Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu wischen.“

Vielleicht schaffe ich es ja. Staubwischen auf allen Ebenen.

Donnerstag, 95,9 kg

Ich fahre in wenigen Wochen in den Urlaub und auch, wenn er nur kurz ist, habe ich ihn als Anlass genommen, mir ein paar neue Sachen zu kaufen. Obwohl ich ja immer denke, es lohnt sich nicht, weil ich bald rausgewachsen sein werde, haha, und das schon so lange! Ich bin halt eine unbelehrbare Optimistin! Aber gerade in letzter Zeit merke ich, dass man sich ungleich viel wohler fühlt, wenn man Sachen trägt, die man schön findet, egal wie dick oder dünn man ist. Das gibt einfach mehr Selbstbewusstsein, was man mit Sicherheit auch ausstrahlt.

Ich versuche, meinen Blick zu ändern; ich habe mir immer vorgestellt, dass ich in dem Stück oder jenem Fummel so aussehen werde wie das Model, das es präsentiert. Mir fehlt einfach die Abstraktionsfähigkeit, wie ich mit meiner Figur darin aussehe. Und ich arbeite gerade daran, dass ich nicht so streng mit mir bin, wenn ich dann die Realität im Spiegel sehe. Gleichzeitig möchte ich die Eigenschaft ablegen, mich irgendwie schöner zu sehen; ich glaube, jeder kennt den Effekt, sich so vor dem Spiegel zu positionieren, wie man sich am besten findet. Nur ist das wirkliche Leben anders als sich mal eben für einen Moment zu spiegeln und das ist auch gut so. Aber nur so kann ich es mir erklären, dass man oft so geschockt von seinen Photos oder Videos ist. Bei letzteren kommen auch noch Mimik, Gestik und vor allen Dingen die Stimme dazu, die überraschen können, meist wohl eher negativ. Kurz und gut, ich will mein Bild von mir, das aber nicht der Realität entspricht, aus meinem Kopf kriegen und mich, wie ich wirklich bin, akzeptieren und im besten Fall womöglich mal mögen. Eigentlich traurig, dass man das erst lernen muss… Meine hoffentlich wachsende Akzeptanz bedeutet aber keineswegs, den Versuch, meine überflüssigen Kilogramm loszuwerden, einzustellen. Für das Erreichen dieses Ziels würde ich mir doch glatt neue Klamotten kaufen!

 

Mittwoch, 95,8 kg

Bin fix und fertig. Habe – natürlich mit Hilfe – 90 Ziegelsteine aus einem Schrebergarten geholt, aus denen am Wochenende ein Kräuterhochbeet werden soll. Leider konnte ich mit dem Auto nicht direkt an den Garten fahren, sondern musste auf dem ca. 500 m entfernten Parkplatz halten. Fühlte mich wie in der Wüste, als ich den Weg immer wieder mit Steinen in der Schubkarre hin und her fuhr, bei den heutigen Temperaturen ja auch kein Wunder. Will sagen, dass ich heute ’ne Menge Kalorien verbraucht habe, bin gespannt darauf, was Frau Waage morgen sagt… Wäre ja nicht so verkehrt, wenn ich mit einem relativ guten Wert in den Fastentag ginge.

Habe heute das zweite Mal in Folge Magerquark mit Früchten zum Abendbrot gegessen. Ich musste mich dazu  gar nicht überreden, im Gegenteil, ich hatte Schmacht auf etwas Süßes und auch Frisches. Hoffe, dass sich das ein bisschen bezahlt macht, fahre ich doch in gut drei Wochen für eine Woche an die Nordsee. Für eine Bikinifigur wird’s nicht mehr reichen (obwohl ich ja immer sage, „lieber braun und dick, als blass und dick!“, und deswegen vielleicht auch einfach einen anziehen werde), aber mit zwei Kilogramm leichter würde ich mich sicher besser fühlen. Also gehe ich die jetzt an!

Dienstag, 95,3 kg

Manche Fastentage sind doch richtig lieb und zuvorkommend! Heute bin ich auch wieder fein geradelt und es macht mir so viel Spaß wie nie, weil mir dieses Frühjahr alles so irre grün vorkommt! Dieser Effekt ist vielleicht dem langen Warten auf endlich wärmere Zeiten geschuldet, anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich mich fast wie im Dschungel fühle, wenn ich von meinem Balkon in den Garten gucke. Ein wahrer Seelenschmeichler!

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Aufgrund der Kommentare heute habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Ich glaube – und das weiß ich noch aus meinen schlanken Zeiten – es ist immer ein Balanceakt, jemanden zur Gewichtsabnahme motivieren zu wollen. Eigentlich kann man sich dieses Anliegen auch sparen; ich denke, jede/r Dicke weiß, dass er dick ist und die meisten wollen diesen Zustand auch ändern und haben in der Regel auch schon einige Versuche hinter sich. Andererseits kenne ich auch die Euphorie, etwas geschafft zu haben und andere davon überzeugen zu wollen. Aber es ist halt ein schmaler Grat, auf dem man sich befindet, weil die meisten übergewichtigen Menschen sowieso schon recht dünnhäutig diesbezüglich sind. Auch ich habe mir hier schon im Blog hinterher Vorwürfe gemacht, wenn ich mit Sätzen wie, „ich fühl mich so fett!“, o.ä. meinem Frust Ausdruck gegeben habe, denn wie müssen sich die Leute fühlen, die mehr als ich wiegen?! Das sind unbedachte und spontane Äußerungen, die aber – und das möchte ich betonen – mit Sicherheit nie so gemeint waren wie sie bei den Betroffenen angekommen sind. Die Crux an der Sache ist, dass „dick“ ein Stigma beinhaltet, anders als groß oder klein, blauäugig oder schwarzhaarig. Ich bin durchaus dafür, die Dinge, wie sie sind,  beim Namen zu nennen, denn das ist einfach die Realität, würde mir aber wünschen (auch von mir selbst), dass „dick“ ohne diesen ganzen Überbau daherkommt, ohne dass die Betroffenen ein schlechtes Gewissen haben oder sich schämen und vor allen Dingen ohne Verurteilende, die dicken Menschen klischeehafte Eigenschaften wie behäbig, willenlos etc. … anhängen. So, und jetzt sind wir wieder bei mir: ICH fühle mich häufig unbeweglich und disziplinlos, aber das ist MEIN Ding und ich werde mich hüten, dieses unbehagliche Gefühl auf andere Menschen zu projizieren. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass die Welt um einiges besser wäre, gäbe es diesen Zwang nicht, alles und jeden beurteilen zu müssen, der aus dem „Normalschema“ fällt und nicht in die Norm passt. Mit diesem Wort zum Mittwoch lasse ich nun meinen Abend entspannt ausklingen…

Montag, 96,8 kg

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Heute bin ich endlich mal wieder zum Büro geradelt. Mein Arbeitsweg ist streckenweise ganz zauberhaft, der Wald sieht wirklich so grün aus wie auf dem Photo, fast ein wenig künstlich. Es wurde auch echt Zeit, mich mal wieder für eine längere Strecke auf’s Rad zu schwingen; zum einen, weil ich schon total eingerostet bin, zum anderen soll es helfen, ganz schnell wieder von der obigen Zahl ‚runterzukommen! Das Wochenende war sehr sehr essenslastig: Freitagabend beim Italiener und am Samstag und Sonntag zwei Familienfeste, seufz… Ach ja, und dann zelebrieren wir den ESC!  Auch wenn die Musik meist grottig ist, hat dieser Abend so eine Art Kultcharakter. Na ja, und Kohlrabis (obwohl ich die sehr gern esse) gab es da auch nicht, sondern Käsespieße mit Weintrauben zum Beispiel und leckeren Wein.

Nun gut, die Fahrradsaison ist eingeläutet und das soll auch so bleiben, ausgenommen es regnet stark oder das Auto wird nach Feierabend dringend gebraucht,  wie jetzt am Mittwoch, weil ich alte rote Backsteine aus einem Schrebergarten für mein Kräuterhochbeet holen will. Aber auch dafür müssen Kalorien verbrannt werden, insofern ist eine Unterbrechung nicht so schlimm!

Freitag, 95,7 kg

Noch gerade geschafft, bevor der Freitag zu Ende geht. Ich komme gerade vom „Mädelstreff“ beim Italiener und ich habe es tatsächlich geschafft, nur einen Salat mit Schinken und Schafskäse zu essen mit relativ wenig Brot. Habe die leckere Antipasti-Platte, die ich sonst bestelle, einfach ignoriert (tat übrigens auch meinem Geldbeutel gut)  und auch den zögerlichen Moment, ob ich nicht doch vielleicht eine Pizza bestellen sollte, tapfer überwunden. Und so’n Salat ist ja auch schon lecker, okay, nicht ganz so wie die oben erwähnten Leckereien, aber auch lecker.

Diese „Mädelstruppe“, wie ich sie nenne, hat sich gegründet, als unsere Kinder ca. ein Jahr alt waren und anfänglich war ich sehr skeptisch, ob wir uns auch, ohne die Notwendigkeit unsere Kleinkinder unbedingt sozialisieren zu müssen, jemals zusammengefunden hätten, denn wir könnten kaum unterschiedlicher sein. Doch über die Jahre – unsere Kinder sind jetzt achtzehn – habe ich gelernt, die anderen „Mädels“ sehr zu schätzen und diese Treffen sind mir lieb geworden und beinhalten eine Art von Verlässlichkeit. Mittlerweile kennen wir uns ganz gut und wenn wir die erste Stunde überwunden haben, in der wir von den Helden- wie auch von den Missetaten unserer Nachkommen berichten, wird es richtig schön. Mittlerweile haben wir die Masken abgenommen und lassen auch mal tiefer blicken, sozusagen hinter das „Bullerbü-Bild“. Und man stellt erleichtert fest, nicht nur selbst mit seinen Vorstellungen an dem „Heile-Welt-Geschehen“ gescheitert zu sein. Das gibt merkwürdigerweise Kraft und Zuversicht  und bedeutet für mich irgendwie so was wie Frauensolidarität. Dass ausgerechnet ich so was mal fühlen würde, ist schon erstaunlich, fühlte ich mich früher doch eher freundschaftlich Männern verbunden, weil ich Frauen häufig als zickig und kompliziert empfand (meine Freundin Sesemi ausgenommen!).

Was das alles mit Intervallfasten zu tun hat? Nichts! Aber mein ganzer Blog ist ja eher so ein Imcache-Gedanken-Sammelsurium, die auch gerade mal versucht, mit 5:2 überflüssige Kilos abzuwerfen.